Den Groove im Business finden

Ein schöner Artikel von Prof. Dr. Brigitte Biehl, in der Fachzeitschrift „Changement“, der sich mit unseren Konzepten beschäftigt.

Hochschule bringt als Intermediär Unternehmen und Künstler zusammen

Management in der dynamischen Wirtschaftswelt ist oftmals eine kreative Kunst. Kreativität, Improvisation und Innovation funktionieren nicht auf Knopfdruck, sondern verlangen neue Methoden, die aus der Welt der Kunst kommen.

Ein aktueller Trend geht dahin, Kunst zur Personal- und Organisationsentwicklung und für Veränderungsprozesse einzusetzen. Immer mehr Unternehmen engagieren Maler, Schauspieler, Tänzer und Choreografen, Dichter, Sänger, Violinisten und Jazzmusiker für kurze oder längere Projekte mit den Mitarbeitern. Auch Führungskräfte musizieren, interpretieren Gedichte und spielen Theater, um komplexes Denken und kreatives Handeln auszubilden.

Künstlerische Interventionen

Künstlerische Interventionen bringen Produkte, Menschen und Prozesse aus der Welt der Kunst für Lern- und Veränderungsprozesse in Organisationen. Es gibt Formate wie Training, Coaching, Artists in Residence, Events, Workshops, kreative gemeinsame Aktivitäten, mit verschiedenen Dimensionen der Partizipation. Die Bandbreite von Interventionen setzt sowohl originale Kunstwerke ein (im Falle von Workshops über Malereien oder Literatur), als auch für den speziellen Fall mit oder ohne Mitarbeiter gemeinsam gestaltete künstlerische Formen (Musik, Unternehmenstheater, Skulptur).

Künstlerische Methoden lassen sich kaum ‚managen‘ und evaluieren wie gewöhnliche organisationale Projekte. Sie verlangen eine gewisse Offenheit und Mut zu Neuem. Aber Untersuchungen haben gezeigt, dass die Erfahrung von Unternehmen positiv bewertet wird. Die Wirkungen, die bisher belegt sind, beziehen sich auf „Persönlichkeitsentwicklung“ (Neue Sichtweise, Aktivierung, Selbstbild, Wachstum, Fähigkeiten, neue Tools), „Zusammenarbeit“ (Qualität der Teamarbeit; Häufigkeit und Qualität der Kommunikation; besseres Gruppenverständnis) und „Organisationsentwicklung“ (Unternehmenskultur, Leadership).

Intermediäre: Vermittler zwischen Unternehmen und Künstlern

In Deutschland bringt etwa die SRH Hochschule der populären Künste hdpk gezielt ihre Studierenden aus dem Bereich Kunst (Musik, Film, Design) mit ihren Managementstudierenden zusammen, und öffnen sich mit Weiterbildungsangeboten für Unternehmen.

Sie bringt neuerdings als so genannter Intermediär über ihr Institut für Weiterbildung in der Kreativwirtschaft (IWK) Künstler und Unternehmen zusammen, denn erstens betreibt die Hochschule selbst Forschung im Bereich Management- und Leadership-Entwicklung, besitzt zweitens ein Netzwerk von künstlerischen Akteuren, und besitzt drittens die Kompetenz, diese Interventionen wissenschaftlich fundiert zu evaluieren – wozu den Praktikern meist schlicht die Zeit fehlt.

Intermediäre agieren als Bindeglied und Vermittler. Beispielsweise geht es darum, die Sprache beider Welten zu sprechen, das theoretische und praktische Vokabular zu beherrschen und auch die Gesamtsituation einschätzen zu können. Es gilt, die kreativen Prozesse zu verstehen, zu managen und möglichst produktiv zusammenzuarbeiten.

Der Vorteil einer Hochschule als Intermediär sind die Künstler: Bei einer Kunst- und Musikhochschule wie der hdpk besteht ein Anteil der Professorenschaft und der Dozenten aus international erfahrenen Künstlern, bei uns sind das beispielsweise Musiker. Die anderen Professoren bringen ihre fachspezifischen Kompetenzen mit aus der Berufserfahrung und vor allem Forschung im Bereich Management, Leadership und auch im Bereich der Popkultur, oder Bereich Methoden (Auswertung von künstlerischen Interventionen).

Als Institutsleiterin habe ich mich selbst mit dem Zusammenspiel von Kunst und Management in meinem Buch „Wirtschaftsästhetik“ beschäftigt, welches einerseits theoretisch diskutiert, was Organisationen und Kunstbetriebe gemeinsam haben (Organisationen sind in vielerlei Hinsicht „wie eine Jazzband“) und andererseits die praktische Anwendung von Kunst als künstlerische Interventionen darstellt.

Wir bieten viele Formate aus dem Bereich Musik, denn ein Schwerpunkt unserer Hochschule ist die Musikausbildung. Den Bereich Design und visuelle Künste decken wir auch ab, und arbeiten darüber hinaus mit Performern für Tanzinterventionen zusammen.

Interventionen mit Musik

Im Folgenden sollen einige Beispiele mit dem Medium Musik vorgestellt werden, da sich die hdpk als Musik- und Kunsthochschule positioniert. Musik wirkt emotional ansprechend, ist international, jedem vertraut und oft einfach zugänglich. Musik ist nicht nur eine akustische, sondern vielmehr eine ästhetische Erfahrung, die sinnlich wahrgenommen wird. So stellt die Musik ein besonders geeignetes und vielfältiges Medium für künstlerische Interventionen dar.

Ein Beispiel für die Begegnung von Musik und Unternehmenskultur ist René Rennefeld, der als Musikproduzent weltweit bereits 75 Platin- und Goldauszeichnungen erhielt. Künstler wie Rennefeld akquirieren Unternehmen selbst als Kunden, und können auch durch Intermediäre wie das IWK an Unternehmen vermittelt werden – über diesen Kanal dann noch mit Angeboten wie wissenschaftlicher Begleitung und Evaluation. Als Moderator leitet Rennefeld durch von Musik inspirierte Events, deren Ziel es ist, Menschen durch Emotionen erreichen. Dem Unternehmen öffnet sich so ein Weg, seinen individuellen „Sound of Success“, einen gemeinsam zelebrierten Groove zu finden, der Zusammenhalt schafft. Der Teamgeist wird musikalisch erforscht. „Wie klingt ihr Unternehmen“? Wie spielt Ihre „Band“ zusammen? Was ist Ihre Message? Das sind Rennefeld’s Fragen an das Unternehmen, die nicht rein rational, sondern mit sinnlicher Wahrnehmung beantwortet werden, zum Beispiel durch einen eigens kreierten Company Song, der aus den individuellen Noten der Firma ein Hörerlebnis und den erfahrbaren Klang des Unternehmens formt.

Andere Workshops arbeiten mit dem menschlichen Körper („grooven“, Gruppenreaktionen), der Stimme (Stimme als Ausdrucksinstrument) oder neuer Rollenverteilung („Rockband“-Workshops).

Ein ausführlicher Artikel von Brigitte Biehl zu diesem Thema ist in der Fachzeitschrift „Changement“ erschienen https://der-betrieb.owlit.de/document/zeitschriften/changement/2018/heft-06/leadership/kunstbasierte-interventionen-den-groove-im-bu/MLX_6f78?authentication=none

 

Prof. Dr. Brigitte Biehl ist Leiterin des Instituts für Weiterbildung an der hdpk und Studiengangsleiterin des B.A. Creative Industries Management an der SRH Hochschule der populären Künste hdpk in Berlin. Ihre Bücher zum Thema: „Wirtschaftsästhetik. Wie Unternehmen die Kunst als Inspiration und Werkzeug nutzen“ (2011, Gabler-Verlag) und „Dance and Organisation. Integrating Dance Theory and Methods into the Study of Management“ (2017, Routledge)

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